"Wahrscheinlich war das Equipment bei Radio C
damals besser als wir Moderatoren
"
 

Interview mit Moderator Stefan Schneider;
u.a. Radio C, Radio M 1, Radio Xanadu, Radio N 1, Energy 93.3
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Stefan Schneider, geboren am 07. April 1962, begann seine Radio-Laufbahn Ende der Siebziger als Muskredakteur, Tontechniker und Sendungsassistent beim Bayerischen Rundfunk, bevorzugt im Programm von Bayern 3. Es war die Zeit, zu der Thomas Gottschalk zum Kultmoderator wurde. Als Gottschalk zu Radio Luxemburg wechselte, betreute Schneider auch die "Pop nach Acht"-Sendungen der Nachfolger, darunter unter anderem Peter Illmann, Fred Kogel und Benny Schnier. Sein Ziel, auch als Moderator zu arbeiten, setzte er mit dem Start des Kabelpilotprojekts München im April 1984 in die Tat um, und zwar bei Radio M 1. In den folgenden Jahren war er dann unter anderem auch bei Radio C, Radio Xanadu, Radio N 1 in Nürnberg und Energy 93.3 zu hören, wobei er stets bevorzugt die Morning Show präsentierte. Stefan Schneider ist seit 1990 Stadionsprecher der Münchner Eishockey-Vereine (aktuell Red Bull München) sowie seit 1993 Stadionsprecher des TSV 1860 München.

Stefan, Dein Muntermacher auf Radio C war lange Zeit bei Freunden der gepflegten Rockmusik absoluter Kult, ebenso anschließend die Morgensendung auf Radio Xanadu in München. Wolltest Du immer bevorzugt morgens moderieren oder hat sich das einfach so ergeben?

Ich habe schon bei Bayern 3 Morgensendungen musikalisch betreut. Daher war ich es gewohnt, früh aufzustehen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Es machte mir immer Spaß, die Morgensendungen zu moderieren. Andererseits ist es aber natürlich auch eine Ehre, wenn man zur Prime Time schlechthin, also am Morgen, senden darf.

Zum ersten Mal als Moderator on air warst Du 1984 bei Radio M 1 im Münchner Kabelpilotprojekt. Wie kam es dazu?

Bei Bayern 3 habe ich damals bemerkt, dass eine "bayerisch eingefärbte" Stimme beim öffentlich-rechtlichen Radio - ganz im Gegensatz zu heute - eher weniger gefragt ist. Über meine Freunde Willi Zwingmann und Daniel Kovac kam ich in Kontakt mit den Leuten von Radio M 1. So lernte ich auch den damaligen Geschäftsführer Christoph Schmitz kennen und wechselte schließlich mit dem Start des Kabelpilotprojekts zu dessen Sender.

Waren die Monate im Kabel nicht etwas frustrierend? Es war doch schon nach kurzer Zeit klar, dass man kaum Hörer hatte.

Klar war es das. Auch für mich, denn von Bayern 3 her war ich ja eine sehr große Hörerschaft gewöhnt. Aber die wenigen Hörer im Kabel hatten auch einen Vorteil: Wir konnten die ersten Monate quasi vor Publikum üben. Machte man mal einen Fehler, dann war das kein Beinbruch. Seien wir mal ehrlich: Bei einer Frühsendung am Samstag konnten wir doch unsere wenigen Hörer fast namentlich begrüßen.

Du hast M 1 noch im selben Jahr verlassen und gingst nach einem kurzen Gastspiel bei Radio Aktiv zu Radio C in Südtirol. Was hat dich an dieser Aufgabe gereizt?

Bei M 1 dachten wir natürlich alle, dass es mit einer terrestrischen Frequenz recht schnell gehen würde. Doch das dauerte (Anm.: bis zum Mai 1985). Wir sind doch damals alle mit AFN Munich aufgewachsen. Für uns war Radio ein Kofferradio mit Antenne, über das man überall sein Lieblingsprogramm hören konnte. Deswegen war es natürlich unser Traum, möglichst schnell terrestrisch zu senden. Kaum einer hatte 1984 Kabel. Insofern konnte man gar nicht sagen "Ich bin beim Radio", denn sofort kam die Gegenfrage "Und wo kann man Dich hören?" Radio via Kabel war damals bei den Hörern noch überhaupt nicht angekommen.

Als das Angebot von Conrad Electronic, dem Betreiber von Radio C, kam, haben Willi Zwingmann und ich nicht lange gefackelt und sind nach Südtirol gegangen. Ich habe dort eine großartige Zeit erlebt, wenn nicht sogar die beste Radiozeit, die ich jemals hatte. Wir hatten damals Hörer ohne Ende, weil wir ja zu dieser Zeit der einzige Privatsender waren, der in Südbayern richtig gut zu empfangen war. Außerdem war Radio C technisch professionell ausgestattet. Wir hatten die modernsten Geräte, zum Teil aus den USA, wir hatten ein maßgeschneidertes  Jingle-Paket und so weiter. Wahrscheinlich war das Equipment bei Radio C damals besser als wir Moderatoren. 

Du bist bis zum Herbst 1986 bei Radio C geblieben – so lange wie kein anderer Moderator aus München. Offenbar hast Du dich in Südtirol auch vom Umfeld her recht wohlgefühlt, oder?

Ich war schon immer ein großer Freund von Südtirol, was nicht nur an der herrlichen Landschaft und an dem extrem sympathischen Menschenschlag liegt. Ich habe bei Radio C eine Nachrichtensprecherin kennengelernt, die in denselben Räumlichkeiten für Radio 104 Südtirol arbeitete. Mit der war ich gute sieben Jahre liiert; auch noch nach meiner Rückkehr nach München. Das Umfeld war perfekt, daher fühlte ich mich auch sehr wohl.



Von Radio C in Südtirol ging es dann ja zu Radio C nach München und später zu Radio Xanadu, das damals im Splitting mit sechs anderen Stationen auf 92,4 in München sendete. Dieses Frequenz-Chaos hat damals, abgesehen von der Jazz Welle, erstaunlich gut funktioniert. Viele sprechen sogar von der besten Münchner Privatradiofrequenz aller Zeiten. Wie habt Ihr das so gut hinbekommen?

Das war damals recht interessant. Mehrere Stationen brachten aufgrund des Splittings ihre Farbe und ihre Persönlichkeiten ein. Das Umschalten von einem Anbieter zum anderen war fast schon Kult, ähnlich wie die Übergaben von Gottschalk zu Jauch in der B 3 Radioshow. Nur gab es einen ganz wesentlichen Unterschied: Auf der 92,4 konnte kein Zwiegespräch zustande kommen, weil ja immer nur einer live on air war.  Du musstest also entweder dem folgenden Moderator irgendwas mit auf den Weg geben oder du musstest blitschnell auf die Worte des Vorgängers reagieren.  Denn abgesprochen war da gar nichts. Übrigens auch nicht bei der Musikauswahl.

Im Frühjahr 1988 ging ich dann zusammen mit einigen Kollegen zu Radio N 1 nach Nürnberg. Das war damals ein grandioser Sender. Nic von Vogelstein hat dort ein völlig geniales Musikformat auf die Beine gestellt. Es ist übrigens kein Gerücht, dass wir täglich von München nach Nürnberg und zurück gefahren sind. Ich bin heute noch stolz, dass ich in zwei Jahren Morning Show bei N 1 kein einziges Mal in Nürnberg übernachtet habe. Um 3.15 Uhr sind wir jeden Morgen los gefahren. Und zwar bei jedem Wetter. Auch im Januar bei geschlossener Schneedecke und auch bei minus 20 Grad.

Würde Deiner Ansicht nach eine gemäßigte Rock-Station wie Radio M 1 oder Radio C auch heute noch funktionieren?

Ich glaube, dass ein Sender mit sehr guten, entspannten Moderatoren und einem Mainstream-Rock-Format und regionaler Information in München ähnlich gut laufen würde wie etwa Radio Arabella oder Gong 96.3. Wobei man ja sagen muss, dass Radio Arabella heute gar nicht so weit weg ist von dem Format, das Radio C in Südtirol gespielt hat. Bryan Adams, Rupert Holmes, John Cougar Mellencamp, Elton John oder Bachman Turner Overdrive  - das läuft heute auf Arabella und das haben wir damals bei Radio C auch aufgelegt.

Letzte Frage: Heißt der Stadionsprecher der Löwen immer noch Stefan Schneider, wenn die Mannschaft irgendwann mal in die Fußball-Bundesliga zurückkehrt?

Das kann ich nicht sagen, weil ich nicht weiß, ob ich das überhaupt noch erlebe. Aber Spaß beiseite. Ich glaube schon, dass der TSV 1860 in den nächsten fünf Jahren zumindest wieder in die Zweite Liga aufsteigt. Eigentlich habe ich ja genügend zu tun, unter anderem auch mit dem Münchner Eishockey. Da habe ich natürlich schon mal überlegt, ob ich das bei den Löwen nicht lassen muss. Aber man hört als Stadionsprecher sicherlich nicht auf, wenn die Mannschaft in die vierte Liga absteigt. Das ist nicht Stefan Schneider.

Stefan, herzlichen Dank für das interessante Gespräch. 

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Eigentlich sollte Stefan Schneider auch noch eine Anekdote aus seiner Radiozeit zum besten geben. Es gab da so eine Geschichte bei Bayern 3... Doch die Details wollten ihm nicht mehr so recht einfallen. Benny Schnier, der damals ebenfalls beteilgt war, kann sich allerdings noch ganz genau erinnern.

"Es muss Anfang der Achtziger gewesen sein. Ich hatte Sendung (Pop nach Acht), Stefan Schneider war für die Technik zuständig. Plötzlich sagte man uns, es gäbe eine Bombendrohung. Wir waren etwas ratlos. Wir hatten ja so etwas beide noch nie erlebt und wussten daher nicht, wie wir reagieren sollten. Außerdem konnten wir ja auch nicht einfach abhauen, weil es eine Live-Sendung war. Wir haben dann angefangen, uns intern mit Galgenhumor über die Situation zu manövrieren. Plötzlich blieb dann beim Starten eines Musiktitels auch noch ein Plattenteller hängen. Und mir fiel nichts anderes ein als spontan zu sagen: 'Wer hat mir denn die Bombe auf den Plattenteller gelegt?'. Die Crew hat sich totgelacht. Ich allerdings bekam am nächsten Tag einen Riesenanschiss."